Baden-Baden, April 2015

 

Da Schach Sport ist und sich die Schachverbände in vielen Dingen den Regularien des Deutschen Olympischen Sportbundes unterwerfen, treffen uns auch die Anti-Doping-Regularien im Leistungssport voll.

Das merken spätestens die U18-Spieler bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, bei denen Doping-Kontrollen durchgeführt werden.

 

Die Deutsche Schachjugend hat nun ihre Broschüre zum Thema neu aufgelegt und umfassend aktualisiert.

 

Hier der Link zur Broschüre

http://www.deutsche-schachjugend.de/fileadmin/dsj_image/turnier/anti_doping/Anti-Doping-Broschuere-2015.pdf

 

Falls ihr dazu Fragen habt – die DSJ hat (in der Broschüre) Ansprechpartner benannt.

Auch hilfreich ist die Informationsstelle bei der NADA (Nationale Anti-Doping-Agentur), die auch ein Online-Tool entwickelt hat, um z.B. seine eigenen Medikamente auf Doping-Substanzen hin gegen zu checken.

 

Auch die Schachverbände in Baden-Württemberg haben einen Anti-Doping-Beauftragten, Prof. Bernd Domres (bddomres@yahoo.de). 

 

Die Schachverbände in Baden-Württemberg führen aber keine gesonderten Kontrollen durch (und haben das in Zukunft auch nicht vor), sondern beraten lediglich.

Sowohl der Badische Schachverband als auch der Schachverband Württemberg haben eigene Anti-Doping-Regularien entwickelt, die auf den Homepages der Verbände einsehbar sind.

 

Dr. Markus Keller, GKL-Geschäftsführer

 

 

Hier noch eine kleine Zusammenfassung, allerdings noch mit Stand 2010 – von den Grundsätzen her hat sich kaum etwas geändert, lediglich in den Einzelheiten.

 

 

Doping-Kontrollen im Schach – Stand: März 2010

(von Dr. Markus Keller)

 

Zunächst: Haftungsausschluss! Die folgende Zusammenfassung ist eine Zeitaufnahme, die Umstände und Handlungsempfehlungen sind meines Wissens nach genau so wie beschrieben. Letztlich empfehle ich jedem das Studium der Seiten der NADA, um Sicherheit zu haben. Zudem hat Ernst Bedau unter http://www.schachbund.de/intern/doping/index.html eine offizielle Zusammenstellung seitens des DSB veröffentlicht.

 

Auf internationaler Ebene gibt es seit zumindest 2004 Doping-Kontrollen im Schach, meist bei Wettkämpfen „höheren Kalibers“.

 

Es gibt zwei unterschiedliche Organisationen, die Dopingkontrollen veranlassen und durchführen (lassen), die FIDE zusammen mit der WADA, der Welt-Anti-Doping-Agentur, und der DSB zusammen mit der NADA, der Nationalen Anti-Doping-Agentur.

 

Auf Weltebene wird bei einigen wenigen internationalen Wettkämpfen wie bei der Schach-Olympiade getestet. Ob bei dem jeweiligen Wettkampf getestet wird, teilt die FIDE zuvor mit. Zudem gibt es einen „Test-Pool“ an Spielern, der auch in Nicht-Wettkampf-Phasen getestet werden kann. Die Spieler wissen, ob sie dem Pool angehören.

 

Auf deutscher Ebene wird ab 2009 getestet. Die Tests 2009 werden bei der Deutschen Einzelmeisterschaft, der Deutschen Fraueneinzelmeisterschaft, der Deutschen Jugendmeisterschaft U18 und der Deutschen Jugendmeisterschaft U18w gemacht. Es gibt ansonsten keine Kontrollen, nicht zu Hause, nicht bei anderen Turnieren.

Auf deutscher Ebene können auch Spieler unter 17 Jahre getestet werden.

 

Schach hat die Doping-Bestimmungen der Sportverbände anerkannt. Die verbotenen Substanzen und Mittel, die in anderen Sportarten verboten sind, sind auch im Schach verboten.

 

Sind Mittel medizinisch notwendig, so muss dies attestiert sein. Bei einigen Krankheiten und Medikamenten ist ein einfaches Attest ausreichend, das zum jeweiligen Wettkampf mitgenommen wird. Bei anderen Medikamenten muss die NADA das Attest auf entsprechenden Formblättern bestätigen. Hierzu muss der entsprechende Antrag des Spielers, die so genannte TUE, 21 Tage vor dem Doping-Test eingegangen sein und die Bestätigung sollte schon beim Spieler sein.

 

Wichtige Unterscheidung:

Es gibt Mittel, die man beim Wettkampf nicht einnehmen darf, aber z.B. im Training, und es gibt Mittel, die generell nicht genommen werden dürfen.

 

Warum sind Medikamente, Wirkstoffe und ähnliches auf der Doping-Liste?

Warum gelten diese für Schach (auch)?

 

Stoffe sind aus drei Gründen auf der Liste, nicht alle dieser Gründe müssen zutreffen, um auf der Liste zu sein. a) Sie steigern die Leistung; b) Sie sind ein Gesundheitsrisiko; c) Sie verstoßen gegen den Geist des Sports. Die ersten beiden Gründe dürften klar sein, der dritte trifft z.B. Stoffe wie Diuretika, die zwar nicht die Leistung steigern oder für sich gesundheitsschädlich sind, die aber die Laborwerte so verfälschen, dass „echte“ Dopingmittel nicht festgestellt werden können.

 

Für Schach gelten sie aus zwei Gründen. a) Alle Stoffe sind aus Gleichheitsprinzip bei allen Sportarten verboten b) Einige der Mittel steigern auch die Schachleistung.

 

Wie laufen die Tests ab?

 

Bei den oben genannten deutschen Meisterschaften werden einige, nicht alle Teilnehmer getestet. Die zu Testenden werden ausgelost. Getestet wird innerhalb einer Stunde nach einem Spiel, der Spieler erfährt erst nach der Partie, ob er „dran“ ist. Der Spieler wird zu einem Arzt geführt, der alles erklärt. Eine Begleitperson darf dabei sein. Er muss eine Urinprobe abgeben, wobei der Arzt zusehen muss (eine Spielerin kann auf einer Ärztin bestehen). Zuvor muss er einige Fragen beantworten. Es kommt u.a. die Frage, ob in den letzten sieben Tagen Medikamente eingenommen wurden. Die Fragen sollte man wahrheitsgemäß beantworten. Falls ihr ein Attest habt, bitte dann vorlegen!

 

Ich will keinen Test machen, bin aber ausgelost!

 

Wer zum Test gebeten wurde, sollte unbedingt den Test machen. Eine Nicht-Abgabe führt in der Regel zu zwei Jahren Sperre (Ivanchuk hatte 2008 Glück!). Hingegen muss ein positiv Getesteter nicht unbedingt gesperrt werden, es gibt eine Einzelfallprüfung und – zumindest bei nationalen Meisterschaften – wird die Strafe meist reduziert, wenn man z.B. die Einnahme von Mitteln zugibt oder minderjährig ist. Rechte und Pflichten der Spieler bei Tests hat die NADA aufgelistet.

 

Ich bin Amateur. Darf ich dopen?

 

Auch Amateure dürfen nicht dopen, es gibt aber nur in den oben beschriebenen Fällen Tests. Veranstalter können jedoch Spieler von Turnieren ausschließen, wenn diese dopen. Also: Wenn jemand sagt, er nimmt ohne ein ärztliches Attest zu haben Anabolika, dann kann ein Turnierveranstalter ihn ausschließen. Er muss es aber nicht unbedingt. Der DSB wird zu diesem Thema aber sicherlich eine präzise Regelung herausbringen.

 

Wie prüfe ich, ob ich ein nicht erlaubtes Mittel nehme?

 

Ärzte wissen in der Regel nicht, ob die Medikamente bzw. deren Inhaltsstoffe auf der Verbotsliste stehen. Im Einzelfall muss das nachgeprüft werden und dann ggf. genehmigt werden.

Die NADA führt auf ihrer Homepage eine Datenbank mit allen Medikamenten, mit der nachgeprüft werden kann, ob diese Mittel im Sport verboten sind. Zudem gibt es eine Liste der erlaubten Medikamente, die aber nicht alle erlaubten Medikamente enthält. Auf fast allen Internetseiten der NADA findet man den Link zu dieser Datenbank-Medikamentenabfrage auch in der rechten Spalte.

Hier man kann z.B. Folgendes sehen:

In Wick Medinight ist Ephedrin, es ist im Wettkampf verboten, im Training erlaubt; Wick Daymade ist hingegen generell erlaubt. Vitamininfusionen sind nicht erlaubt, hingegen Viagra, Propecia, Aspirin, Kaffee, Alkohol erlaubt.

Drogen wie Cannabis, Marihuana und Haschisch sind nicht erlaubt. Auch das Passivrauchen von z.B. Marihuana führt zu erhöhten Werten, die noch zumindest sechs Wochen lang im Urin festzustellen sind. Hier heißt es: Im Zweifel gegen den Angeklagten!

Viele Mittel, die die Konzentration steigern, sind verboten, im Einzelfall bitte nachprüfen. Auch Cortison ist in der Regel verboten – Achtung bei Bronchitis! In manchen Medikamenten, die inhaliert werden, steckt Cortison. Achtung bei Salben, Nasensprays!

Und Mohnkuchen?? Ja, manche Mohnkuchen haben zu viel Morphin und man ist bei einem Stück gedopt. Zu Dopingfallen, die auch manche Nahrungsergänzungsmittel umfassen, gibt die NADA Tipps.

In der Datenbank ist auch ersichtlich, ob man ein Mittel nimmt, das man nur beim Wettkampf nicht einnehmen darf, aber z.B. im Training, oder ob es ein Mittel ist, das generell nicht genommen werden darf.

 

Woher bekomme ich die Genehmigung?

 

Von der NADA. Einige Beispiele der Genehmigung findet ihr in diesem kurzen Text. Allgemeine und spezielle Informationen zur Genehmigung findet ihr auf den Seiten der NADA.

 

Asthma!

 

Asthma ist sehr häufig. Es gibt viele Medikationen dagegen. Nur vier Wirkstoffe sind für Asthma-Kranke zugelassen, alle anderen erst einmal nicht. Bei deutschen Meisterschaften reicht ein einfaches ärztliches Attest aus (wer nimmt was wegen welcher Krankheit), wenn nur eines der vier Wirkstoffe eingenommen wird. Das Attest (zwei Zeilen) kostet in der Regel nichts.

Falls der Arzt nachweist (großes Formular = TUE), dass ein anderes Medikament effektiver ist, kein Problem. TUE muss ausgefüllt werden (21-Tage-Frist!) und bestätigt werden. Dafür verlangt ein Arzt in der Regel 50 EUR.
Nimmt man Glutocorticoide inhalativ ein oder auch inhalativ Salbutamol oder Salmeterol braucht man braucht eine Erklärung zum Gebrauch (Declaration of use, zweiseitig), die man online bei der NADA ausfüllen kann. Das muss dann „angezeigt“ werden, also der NADA gemeldet.

 

Notfall-Medikation!

 

Der Spieler hat irgendwann im Jahr z.B. einen allergischen Schock. Dann gibt ein Arzt gerne Pregnisol, kortisonhaltig. Der Spieler braucht eine Erklärung zum Gebrauch (Declaration of use, zweiseitig), die man online bei der NADA ausfüllen kann. Das muss nämlich „angezeigt“ werden, also der NADA gemeldet.

 

Ich bin Nachrücker bei einer deutschen Meisterschaft!

 

Ihr erfahrt weniger als 21 Tage vor der Deutschen, dass ihr teilnehmen dürft. Es reicht nicht mehr, bei der NADA anzugeben, dass ihr aus medizinischen Gründen ein Mittel nehmen müsst, das auf der Doping-Liste steht. Schlecht! Die NADA geht davon aus, dass ihr zumindest wissen müsstet, dass ihr auf einer Nachrückerliste steht. Dann hättet ihr schon die Genehmigung holen können. Auch hier wird der DSB vielleicht eine andere Regelung finden.

 

Wer soll alles von meiner Krankheit wissen?

 

Nehmt ihr aus Krankheitsgründen ein Medikament, so ist es am einfachsten, mit einem Vertreter des Deutschen Schachbundes (Turnierleiter bei der Deutschen Meisterschaft oder Anti-Doping-Beauftragter) oder mit mir (als Leistungssportverantwortlichem in Baden-Württemberg) zu sprechen, um die Fragen zu klären, um zu helfen.

Aber keiner aus dem Schach muss etwas von eurer Krankheit wissen. Es reicht, wenn ihr direkt bei der NADA eine Erlaubnis für eure Medikamente einholt.

 

Ritalin, Amphetamine?

 

Sehr schwer, hier eine Genehmigung zu bekommen. Da sollte sich der Arzt beim Ausfüllen der TUE anstrengen.

 

Ich bin über 50!

 

Senioren nehmen häufig Insulin, Betablocker, Cortison oder Diuretika ein. Bei Über-50-Jährigen reicht für die vier Stoffgruppen ein Attest vom Arzt, das beim Doping-Test vorgelegt wird.

 

Weitergehende Informationen!

 

Ausführliche Informationen gibt es auch auf den Seiten der NADA, die letztlich verbindlich sind.

 

 

Und zu guter letzt …

 

Die Gesundheit eines jeden ist wichtiger als Schach.

Falls ihr dringend ein Medikament, eine Notfallbehandlung braucht – der Arzt weiß, was für euch am besten ist!